Ein perfekter Tag in Lissabon

Castelo Lissabon 3

Es ist noch nicht einmal 8:00 Uhr morgens, als ich an Deck der Mein Schiff 4 stehe. Ich habe mir ein Tuch um den Hals gewickelt, da hier oben noch eine kühle Brise weht. An der Reling steht ein Passagier neben dem anderen. Viele tragen einen Fotoapparat oder das Handy bei sich und blicken gespannt in Fahrtrichtung, wo die Sonne bereits am Horizont steht. Sie verzaubert das Wasser in einen glitzernden Teppich und ich bin jetzt schon froh, so zeitig aufgestanden zu sein. Du fragst dich, warum wir hier alle so früh draußen stehen? Ich verrate es dir. Uns erwartet eine der schönsten Hafeneinfahrten unserer Kreuzfahrt. Die in den Hafen von Lissabon.

Lissabon Mein Schiff

Ich suche mir einen noch freien Platz und genieße den Ausblick. Von weitem kann man sie langsam erkennen: die „Ponte 25 de Abril“. Eine 3,2 km lange, rote Brückenkonstruktion, die über den Fluss Tejo führt. Ihr Design erinnert dich vielleicht an die Golden Gate Bridge in San Fransisco oder die San Fransisco Bay Bridge. Und da hast du Recht. Letztere wurde nämlich genauso wie die Brücke des 25. April in Lissabon von der American Bridge Company erbaut.

Lissabon Mein Schiff (2)

Langsam bewegen wir uns auf sie zu. Die Sonne steigt und öffnet einen klaren, hellblauen Himmel über uns. Heute wird ein schöner Tag. Zu unserer Linken kann ich inzwischen den bekannten „Torre de Belém“ erkennen. Dieser 35 m hohe Turm wurde bereits 1521 erbaut, um ankommende Seefahrer zu begrüßen. Heute heißt er uns Herzlich Willkommen. Ein Stück weiter steht das monumentale Denkmal der Entdeckungen am Ufer, ein Stück dahinter befindet sich das Kloster „Mosteiro dos Jerónimos“.

Wir befinden uns jetzt direkt vor der Brücke. Es ist beeindruckend, wie sich unser riesiges Schiff unter dieser Stahlkonstruktion hindurchschiebt. Ein schöner Moment. Die Brücke schwebt über uns hinweg und dann sind wir auch schon auf der anderen Seite.

Lissabon Mein Schiff (3)

Rechts, am Südufer des Tejo, steht die circa 100 m hohe Cristo-Rei Statue mit Blick auf Lissabon, die Brücke und den Fluss.

Lissabon Mein Schiff (6)

Unser Schiff legt direkt am ältesten Stadtteil Lissabons an: Alfama. Dies ist ein perfekter Ausgangspunkt, um das Stadtzentrum zu Fuß zu erkunden. Und genau das haben wir gemacht. Wir haben uns den ganzen Tag durch Straßen der Stadt treiben lassen. Über Kopfsteinpflaster ging es hinauf und wieder hinunter. Es gab einzigartige Ausblicke, wunderschöne Häuserfassaden in verwinkelten Gassen, eine tolle Uferpromenade und einige kulinarische Glücksmomente.

Meine persönlichen Highlights, die mir auf unserem Stadtrundgang begegnet sind möchte ich dir natürlich nicht vorenthalten. Vorab möchte ich dir aber noch dazu raten, auf jeden Fall bequeme Schuhe anzuziehen, wenn du vor hast, Lissabon zu Fuß zu erkunden. Meine Tipps führen dich nämlich quer durch die Stadt. Also los geht’s.

Castelo de São Jorge

Durch die verträumten Gassen von Alfama gelangst du hinauf zum „Castelo de São Jorge“. Von der Festung, die Mitte des 11. Jahrhunderts von den Mauren errichtet wurde, hast du den wahrscheinlich schönsten Ausblick Lissabons.

Castelo Lissabon 2

Lass den Blick über die Dächer der Stadt schweifen: über den Praça do Comércio, der große zentrale Platz an der Promenade, über Kirchtürme, den Tejo bis hin zur Brücke des 25. April und der Christusstatue.

Castelo Lissabon 7

Castelo Lissabon 3

Castelo Lissabon 5

Neben dem grandiosen Ausblick gibt es hier oben aber noch mehr zu bestaunen. So zum Beispiel die aus dem 11. Jahrhundert stammende Burg, von deren Festungsmauern du ebenfalls eine wunderbare Aussicht genießen kannst. Ich konnte von hier oben aus sogar unser Schiff sehen. Ab dem 13. Jahrhundert wurde das Castelo als Königliche Residenz genutzt. Auch aus dieser Zeit sind Bauten erhalten.

Castelo Lissabon 6

Castelo Lissabon

Castelo Lissabon 4

Im Museum erhältst du, anhand zahlreicher archäologischer Funde, genauere Informationen über die Kulturepochen zwischen dem 11. und dem 18. Jahrhundert sowie über die Entstehung Lissabons. Das Castelo ist für mich ein Muss, wenn man in der Stadt ist. Am besten ist es, wenn du gleich früh hier her kommst, da die Schlange an der Kasse im Laufe des Tages immer länger wird.

Öffnungszeiten: 09:00 – 18:00 Uhr (Nov – Feb) / 09:00 – 21:00 Uhr (Mär – Okt)
Eintritt: 8,50 € für Erwachsene


Azulejos

Auf dem Weg zum Castelo kannst du ähnlich wie in Porto tolle Häuserfassaden bestaunen, die mit bunten Keramikfliesen, den sogenannten Azulejos, geschmückt sind.

Azulejos


Die Straßenbahn

In manchen Straßen kann es passieren, dass sich die nostalgische Straßenbahn an dir vorbeischlängelt.

Tram Lissabon

Du kannst natürlich ein Stück mit ihr fahren, wenn du keine Lust mehr hast zu laufen. Oder aber du knipst nur ein paar schöne Fotos. Sie stellt nämlich ein typisches Postkartenmotiv von Lissabon dar. Aber beeile dich, denn oft ist sie schnell wieder hinter der nächsten Kurve verschwunden.

Tram Lissabon 4


Praça do Comércio

Der „Praça do Comércio“, auf Deutsch „Platz des Handels“, ist ein großer Platz, der direkt am Ufer des Tejo liegt. Nah am Hafen galt er deshalb als wichtiger Knotenpunkt des Handels. Zudem befand sich hier einst ein Schloss, das 200 Jahre lang als Residenz des Königs diente.

Platz des Handels Lissabon (2)

Im Rahmen des schweren Erdbebens, das 1755 die Stadt heimsuchte, wurde dieses allerdings zerstört. Heute umrahmen große, monumentale Verwaltungsgebäude den Platz. In den Untergeschossen befinden sich Restaurants und Cafés.

Platz des Handels Lissabon

In der Mitte des Praça do Comércio wurde 1775 zur Anerkennung eine beeindruckende Reiterstatue von König José I. errichtet. Durch den prächtigen Triumphbogen im hinteren Bereich des Platzes, gelangst du auf die lange Einkaufsstraße Rua Augusta.


Rua Augusta

Die circa 550 m lange Rua Augsuta, welche vom Praça do Comércio bis hinauf zum Praça de D. Pedro IV. führt, liegt im Stadtteil Baixa, dem Zentrum Lissabons. Sie ist eine Fußgängerzone, die zum Bummeln und Shoppen einlädt. Nimm dir also auch dafür etwas Zeit.

Rua Augusta


Calçada portuguesa

Du wunderst dich an manchen Stellen der Stadt vielleicht, welche Bedeutung die Wegpflasterung aus schwarzen und weißen Steinen hat?

Dieses wichtige portugiesische Erkennungszeichen nennt man „Calçada portuguesa“. Du findest es überall auf der Welt, wo es eine portugiesische Präsenz in der Geschichte gab. So zum Beispiel in Brasilien, Macau, den Kapverden oder auch in Madeira und auf den Azoren.


Praça de D. Pedro IV. / Bahnhof Rossio

Wenn du die Rua Augusta bis zum Ende hin läufst, gelangst du direkt auf den „Praça de D. Pedro IV.“, auch bekannt als „Rossio“. Schaue unbedingt auf den Boden. Auch er ist aus schwarzen und weißen Steinen gepflastert.

Praça de D. Pedro IV

Die Wellen sollen an die Bedeutung des Meeres und der Seefahrt für Lissabon erinnern. Ich habe sie länger angeschaut und hatte irgendwann tatsächlich das Gefühl sie bewegen sich. Unweit des Platzes liegt der sehenswerte Bahnhof Rossio, von wo aus man in den beliebten Ausflugsort Sintra fahren kann.

Bahnhof Lissabon


Elevador de Santa Justa

In einer Parallelstraße der Rua Augusta befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt: der „Elevador de Santa Justa“.

Elevador Lissabon

Zwischen zwei Häusern ragt dieser kunstvoll gestaltet Personenaufzug empor und verbindet so zwei Stadtteile, das unten liegende Baixa mit der Oberstadt Chiado. Er besteht aus einer 45 m hohen Stahlkonstruktion, konstruiert von einem Schüler des berühmten Gustave Eiffel. Heute dient der Aufzug vielen Touristen außerdem als Aussichtsplattform.


Miradouro de São Pedro de Alcantara

Über einen anstrengenden Anstieg zu Fuß oder mit der historischen Standseilbahn „Elevador da Glória“ erreichst du einen weiteren lohnenswerten Aussichtspunkt: den „Miradouro de São Pedro de Alcantara“.

Miradouro de São Pedro de Alcantara (2)

Miradouro de São Pedro de Alcantara

Von hier aus siehst du das Castelo de São Jorge und den darunterliegenden Stadtteil Baixa. In der kleinen Parkanlage rund um die Aussichtsterrasse kann man wunderbar die Seele baumeln lassen. Also mache es dir auf einer Parkbank gemütlich und genieße die Aussicht. Deine Füße freuen sich sicher auch über eine kleine Pause.

Miradouro de São Pedro de Alcantara (4)

Miradouro de São Pedro de Alcantara (5)


Torre de Belém

Der 35 m hohe Torre de Belém steht außerhalb des Zentrums an der Hafeneinfahrt zu Lissabon.

Torre de Belém 2

Dort wurde er 1521 erbaut, als Portugal ein wichtiges Handelszentrum und eine führende Seemacht darstellte. Damals war er ein wichtiger Teil des Verteidigungssystems der Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte diente er außerdem als Leuchtturm, Gefängnis und Kontrollpunkt des Zolls. Zugleich sollte er ankommende Seefahrer in der Heimat begrüßen und sie beschützen.

Torre de Belém 3

Wenn du Lust hast, kannst du auf die Aussichtplattform des Turms steigen und deinen Blick über den Tejo und den Stadtteil Belém schweifen lassen.


Denkmal der Entdeckungen

Etwa einen Kilometer vor dem Torre de Belém ragt seit 1960 das Denkmal der Entdeckungen, das „Padrão dos Descobrimentos“, über das Ufer des Tejo hinaus.

Denkmal der Entdeckungen

An den Seiten des 52 m hohen Monumentes aus Beton sind 33 wichtige Persönlichkeiten der portugiesischen Geschichte dargestellt. Seefahrer, große Entdecker und Wissenschaftler. Ganz an der Spitze steht Heinrich der Seefahrer mit einem Schiff in den Händen. Zu Ehren seines 500. Todestages wurde das Denkmal erbaut. Er war für zahlreiche Entdeckungsreisen verantwortlich und trug so auch dazu bei, dass Portugal zu einer wichtigen Seemacht werden konnte.

Denkmal der Entdeckugen Lissabon

Näheres über das Zeitalter der Entdeckungen, seiner Bedeutung für Portugal und die Geschichte des Landes kannst du im Museum im Inneren des Denkmals erfahren. Außerdem hast du auch hier die Möglichkeit die Aussicht vom Dach des Monuments zu genießen.


Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymus-Kloster)

Unweit des Torre de Belém und des Denkmals der Entdeckungen liegt außerdem das Hieronymus-Kloster. Leider hatten wir nicht genug Zeit das Innere des Klosters zu besuchen. Es soll allerdings wirklich lohnenswert sein. Sollte ich das nächste Mal in Lissabon sein, werde ich das auf jeden Fall nachholen.

Hyeronimus Kloster Lissabon

Das Kloster, dessen Bau um 1500 begann, wurde erst nach Jahrzehnten fertig gestellt und beherbergte bis 1834 den Orden des Heiligen Hieronymus. Seit 1983 zählt es zum UNESCO Weltkulturerbe. Das im manuelinischen Stil erbaute Gebäude stellt eines der bedeutendsten, erhaltenen Bauwerke dieses Stils dar. Viele andere wurden nämlich durch das Erdbeben 1755 zerstört. Ein ähnliches noch bestehendes Beispiel für diesen Baustil, dessen Namen sich von dem damaligen König Manuel I. ableitet, ist der Torre de Belém. Charakteristisch für die Bauart sind prächtige Ornamente und Verzierungen, oft mit maritimer Bedeutung. Schon von außen kann man diesen Dekor an Fenster, Türmen und Pfeilern gut erkennen.

Hieronimus Kloster Lissabon

Heute beherbergt das Kloster einige Museen, wie beispielsweise das Archäologische Museum und das Marinemuseum. In der Kirche befinden sich Gräber einiger portugiesischer Könige.


Pastel de Nata

Sie waren eines meiner Highlights in Lissabon: die „Pastel de Nata“, auch bekannt als „Pastéis de Belem“. Es sind kleine in Blätterteig gebackene Puddingtörtchen. Eigentlich ist die Füllung kein Pudding, sondern eher eine Eiersahnecreme. Aber man kann sie nicht beschreiben, man muss sie probieren.

DSC02153

Unser Erstes gönnten wir uns direkt am Fuße des Castelos in der „Pastelaria Santo Antonio“. Die Auslageflächen lagen voll mit den kleinen Törtchen, so dass wir einfach hineingehen mussten, um sie zu probieren. Sie waren noch lauwarm und was soll ich sagen. Ein Biss und ich war verliebt. Dem Blick meiner Mama zufolge ging es ihr genauso und so blieb es nicht unser letztes Pastel de Nata für diesen Tag. Du kannst die Pastéis in Lissabon fast überall kaufen. Die berühmteste Bäckerei dafür findest du in Belém, die „Pastéis de Belém“. Von dort stammt das süße Gebäck nämlich. Zuhause habe ich mal versucht selbst welche zu backen. Sie waren lecker, aber an die aus Lissabon kamen sie leider bei Weitem nicht heran.


Ginjinha

Noch etwas Kulinarisches, was du bei einem Besuch in Portugals Hauptstadt probieren solltest, ist der berühmte Kirschlikör „Ginjinha“. Seinen Ursprung hat der Likör in der Bar „A Ginjinha“, in der er seit 1840 ausgeschenkt wird. Der Gründer legte Sauerkirschen zunächst zwei Monate lang in Brandy ein und gab anschließend Zucker und Zimtwasser hinzu. Daraus entstand das berühmte Getränk, das entweder mit ganzen Kirschen oder ohne die Früchte getrunken wird. Die Entscheidung liegt bei dir. Auch wenn du vielleicht, genauso wie ich, seinen Namen nicht richtig aussprechen kannst, solltest du den leckeren Likör auf jeden Fall probieren. Vielleicht nimmst du dir ja auch eine Flasche mit nach Hause, um noch lange in Erinnerungen an Lissabon schwelgen zu können.

Unser heutiger Tag war lang und anstrengend, aber doch etwas zu kurz, um die Stadt genau zu erkunden. Dennoch haben wir sehr viel gesehen und einen wundervollen ersten Eindruck sammeln können. Ich denke, ich werde auf jeden wieder hier her zurückkommen und dann ein oder zwei Nächte bleiben.

 

Warst du auch schon mal in Lissabon uns hast einen Tipp für mich, was ich mir dann unbedingt ansehen sollte? Was hat dir am besten in Lissabon gefallen? Ich freue mich über deinen Kommentar.

2 Gedanken zu “Ein perfekter Tag in Lissabon

  1. Hans-Georg 16. Oktober 2018 / 9:40

    Der Liegeplatz in Alfama ist wirkich ideal. Man schaut auf die malerische Kulisse und man ist schnell mittendrin.

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